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Verstehen sichtbar machen

Nils Dörffer
Nils Dörffer leitet die Produktentwicklung – mit dem Ziel, digitales Lernen einfach und wirksam zu machen.

Stellen Sie sich vor: Ein Schüler rechnet Prozentaufgaben korrekt. Aber was 25 % bedeuten, kann er nicht erklären. Solche Verständnislücken bleiben im Unterricht oft unsichtbar. Dieser Beitrag zeigt, wie interaktive Tafelbilder das ändern, Denkwege sichtbar machen, Fehlvorstellungen aufdecken und echte Unterrichtsgespräche anstoßen.

Mathematisches Verstehen entsteht nicht durch das Anwenden von Regeln – es erwächst aus tragfähigen Grundvorstellungen. Didaktisch passgenaue digitale Medien können bei geeignetem methodischen Einsatz den Aufbau tragfähiger Grundvorstellungen unterstützen.

Was sind Grundvorstellungen?

Grundvorstellungen sind „innere Bilder", „Bedeutungszuweisungen" und „inhaltliche Deutungen" mathematischer Begriffe – so definieren es vom Hofe und Prediger. In zahlreichen Publikationen fordert Prediger, Begriffe auf mehreren Ebenen zu verankern: Handlung, bildliche Darstellung, Sprache und Symbol. Entscheidend ist dabei die Vernetzung dieser Ebenen. Erst sie ermöglicht flexibles, tragfähiges Verständnis – und die Fähigkeit, Gelerntes auf neue Situationen zu übertragen.

Oberflächenverständnis vs. Tiefenverständnis

Oberflächenverständnis klammert sich an Verfahren, ohne echtes Begreifen zu ermöglichen. Tiefenverständnis dagegen zeigt sich, wenn Lernende Zusammenhänge erklären, eigene Beispiele und Gegenbeispiele entwickeln und ihre Ideen begründen.

Wenn Verstehen fehlt – typische Lernschwierigkeiten

Studien zeigen, dass viele Lernende häufig nur oberflächliche Verfahrenskenntnisse oder bruchstückhafte Deutungsmuster besitzen – oft sogar stabile Fehlvorstellungen.

Typische Beispiele sind das Umformen von Termen (z. B. 10n + 3 = 13n), bei dem Lernende Variablen nicht als „beliebige Zahlen“ verstehen, oder der fehlende Anschluss der Prozentrechnung an Bruchvorstellungen, wenn das Kalkül des Dreisatzes zu schnell die Teil-Ganzes-Vorstellung verdrängt. Solche Schwierigkeiten wirken in einem kumulativen Fach wie Mathematik über Jahre fort und behindern die Fortsetzbarkeit des Lernens. Die Folgen sind häufig Misserfolgserlebnisse, Frustration und ein Verlust an fachlichem Zutrauen.

Konzepte rund ums Verstehen

  • Grundvorstellungen: Innere mentale Bilder, die Schülerinnen und Schüler mit einem mathematischen Begriff verbinden, etwa die Vorstellung von einem Kuchen, wenn es um Brüche geht.
  • Produktive Diskurse: Unterrichtsgespräche, in denen Lernende ihre Denkwege erklären und miteinander vergleichen – statt nur Ergebnisse zu nennen.
  • Operationsvorstellungen: Das inhaltliche Verständnis einer Rechenoperation – zum Beispiel zu verstehen, was es bedeutet, zwei Brüche zu multiplizieren, nicht nur wie es geht.
  • Formaler Kalkül: Das regelbasierte Rechnen nach festgelegten Verfahren – ohne notwendigerweise zu verstehen, warum es funktioniert.

Wie kann Unterricht Verstehen fördern?

Der Aufbau von Grundvorstellungen und Tiefenverständnis gelingt besonders dann, wenn Lehrkräfte nicht vorschnell zum formalen Kalkül übergehen, sondern zunächst sichtbar machen, welche Vorstellungen Lernende bereits haben, um diese gezielt zu diagnostizieren, weiterzuentwickeln und wenn nötig zu korrigieren.

Verstehensorientierung

Digitale Werkzeuge können beim Aufbau von Grundvorstellungen und Tiefenverständnis unterstützen. Die interaktiven Tafelbilder von bettermarks sind dafür ein konkretes Beispiel – nicht als Ersatz für professionelles Lehrerhandeln, sondern als Werkzeug für Lehrkräfte bei einer verstehensorientierten Unterrichtsgestaltung. Sie stellen mathematische Strukturen graphisch und dynamisch dar und unterstützen so den Aufbau von Zahl- und Operationsvorstellungen.

Zentrale Darstellungen als roter Faden

Ein lernwirksamer Mathematikunterricht profitiert von wenigen, zentralen mathematischen Darstellungen, die als roter Faden über mehrere Jahrgänge hinweg verwendet werden. Gleichzeitig sollten sie Grundvorstellungen sichtbar machen und den Wechsel zwischen Handlung, bildlicher Darstellung und symbolischer Ebene ermöglichen. bettermarks arbeitet unter anderem mit diesen zentralen Darstellungen:

  • Zahlenstrahl
  • Stellenwerttafel
  • Punktefelder, Rechteckfelder, Flächenmodell
  • Bruch und Prozentstreifen
  • Tabellen

Beispiele

Beim Erweitern und Kürzen von Brüchen im Flächenmodell (Abb. 1) wird die Idee von „Verfeinern/Vergröbern“ und die Gleichwertigkeit von Brüchen visuell erfahrbar. Mit einem Klick lässt sich die Darstellung vom Streifen‑ zum Rechteckmodell umschalten; jede Anpassung in der symbolischen Darstellung (Zähler, Nenner, Erweiterungszahl) aktualisiert die visuelle Darstellung – und unterstützt so den Brückenschlag von der Anschauung zum formalen Kalkül.

Der „Anteil von einem Anteil“ im Rechteckfeld (Abb. 2) bereitet die Multiplikation von Brüchen bedeutungsorientiert vor. Auch hier lassen sich Zahlwerte und Darstellung anpassen. In Mathematik lehren (Heft 250) beschreibt Prediger, wie derartige Darstellungswechsel (symbolisch ↔ graphisch ↔ sprachlich) dazu beitragen, Operationsvorstellungen aufzubauen, bevor ein rein formales Kalkül eingeführt wird.

Kognitive Aktivierung und produktive Diskurse

Ein entscheidendes Qualitätsmerkmal guten Mathematikunterrichts ist die kognitive Aktivierung. Nach Leuders und Holzäpfel (2011) ist Unterricht kognitiv aktivierend, wenn Lernende ihre eigenen Ideen und Lösungswege entwickeln und nachvollziehbar erklären können. Dadurch werden unterschiedliche Denkwege sichtbar, die Lehrkraft kann flexibel darauf eingehen und gemeinsam mit den Lernenden fachliche Strukturen herausarbeiten – etwa zentrale Beziehungen, typische Muster oder begriffliche Zusammenhänge. In einem solchen Unterricht wird deutlich, warum eine Lösung funktioniert und wie mathematische Konzepte miteinander verknüpft sind.

Entscheidend bleibt dabei die Lehrkraft, die durch gute Fragen und den Umgang mit Schülerideen produktive Diskurse aktiviert und steuert. Die Tafelbilder von bettermarks können diese Arbeit als Impulsgeber, Werkzeug und Bezugspunkt unterstützen. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt folgendes Beispiel:

Die Lehrkraft teilt das Tafelbild inklusive des darin enthaltenen Auftrags an die Klasse oder an Kleingruppen aus. Lernende dokumentieren eigene Ideen und Lösungswege direkt im Tafelbild mit digitalen Schreib- und Zeichenwerkzeugen. Typische Fehlvorstellungen werden dadurch sichtbar – beispielsweise die fehlende Bündelung beim Übertrag (Abb. 3) oder das ziffernweise Vergleichen von Dezimalzahlen (Abb. 4).

Anschließend werden unterschiedliche Ergebnisse im Plenum präsentiert, verglichen und gemeinsam reflektiert. Die Lehrkraft greift gezielt Schülerideen auf und setzt aktivierende Impulse durch Fragen wie: „Was wird hier dargestellt?“ oder „Was verändert sich – und warum?“. Sie fordert Begründungen ein, regt zur Präzisierung an und würdigt unterschiedliche Schülerarbeiten.

Digitale Tafelbilder unterstützen solche „produktiven Diskurse“, indem sie

  • gemeinsame Bezugspunkte schaffen (alle sehen dieselbe Darstellung)
  • Schülerlösungen vergleichbar machen.
  • visuelle Anker für Argumentationen bieten.
Praxisempfehlung: produktive Diskurse in Kleingruppen

Kleingruppen bieten mehr Sprechgelegenheiten und einen geschützten Raum, in dem Lernende Beiträge ausprobieren und Sicherheit gewinnen können. Entscheidend ist die anschließende Rückführung ins Plenum, wo Ergebnisse gebündelt, verglichen und weiterentwickelt werden. Dadurch stärken die Tafelbilder nicht nur Verstehen, sondern stärken zugleich aktive Beteiligung, argumentatives Denken und den Aufbau fachsprachlicher Kompetenz.

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