Baltic Way

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Auf dem Baltic Way zu mathematischer Teamarbeit

Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre – Europa ist im Umbruch. Aus zwei Republiken wird wieder ein Deutschland, gleichzeitig löst sich das Sowjetreich auf und bringt neue, alte Staaten hervor. Während in Berlin die Mauer fällt, formen weiter östlich Tausende und Abertausende von Menschen in einer Großdemonstration eine Kette, die von Vilnius bis Tallinn reicht. Diese Menschenkette ist Ausdruck für den Freiheitswunsch und das Streben nach politischer Selbstständigkeit und soll unter dem Namen “Baltic Way” in die Geschichte eingehen. Den gleichen Namen erhält wenig später auch ein Mathematik-Wettbewerb, der in den neu gegründeten baltischen Staaten ausgetragen wird. Von Anfang an steht dabei aber fest, dass nach und nach alle Ostsee-Anrainer zur regelmäßigen Teilnahme eingeladen werden sollen. Alle machen mit. Deutschland sagt als letzter Ostsee-Anrainer im Jahr 1997 zu. Damit stehen als teilnehmende Nationen die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen fest, dazu kommen die Skandinavier Finnland, Schweden. Dänemark, Norwegen und Island, dann Deutschland und im Osten sind es Polen und Russland. Wer jetzt über Island gestolpert ist, mag vielleicht kein brillanter Mathematiker sein, aber ganz bestimmt gehörte Erdkunde zu seinen Lieblingsfächern. Island hat meerestechnisch gesehen tatsächlich keinen Bezug zur Ostsee. Es wurde aber sozusagen als Ehrenmitglied zur ständigen Teilnahme eingeladen, weil es das erste europäische Land gewesen ist, das seinerzeit die neuen Staaten des Baltikums diplomatisch anerkannt hat. Man sieht, Isolierung und Ausgrenzung ist die Sache der baltischen Staaten nicht. Und so setzt auch der Mathematikwettbewerb “Baltic Way” auf Teamarbeit und nicht nur auf Einzelleistungen. Mit diesem Konzept nimmt er übrigens eine Sonderstellung unter allen Mathe-Wettbewerben ein.

Fünf gegen den Rest der mathematischen Genies von der Ostsee

Wie also geht es zu beim “Baltic Way”? Jedes Land entsendet ein Team von fünf klugen Köpfen zu dem Wettbewerb, der übrigens jedes Jahr von einem anderen der oben genannten Teilnehmerländer ausgerichtet wird. Die fünf Teammitglieder müssen allesamt noch zur Schule gehen und bekommen am Wettbewerbstag für die ausgesprochen anspruchsvolle Klausur genau viereinhalb Stunden Zeit. Diese Spanne muss ihnen reichen, um 20 Aufgaben aus vier Bereichen der Mathematik, darunter Algebra und Geometrie, zu meistern. Die Aufgaben sind so knifflig, dass es definitiv ausgeschlossen ist, dass eines der Teammitglieder sie in der vorgegebenen Zeit allein lösen kann. Hier setzen nun die sozialen und die kommunikativen Komponenten des Wettbewerbs ein. Die Gruppe muss in der Lage sein, die Aufgaben zu verteilen, zu lösen und am Ende die Lösungen sogar noch untereinander zu besprechen. Man muss mehr als eins und eins zusammenzählen können, um in einem solchen Umfeld erfolgreich zu sein.

Polen führt auf dem Baltic Way die Liste der Siegernationen an

Ganz besonders erfolgreich haben sich seit Beginn des Wettbewerbs im Jahr 1990 die jungen Mathematiker und Mathematikerinnen aus Polen geschlagen. Sie sind sage und schreibe gleich acht Mal als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgegangen, gefolgt von dem Team aus St. Petersburg, das es fünf Mal auf das oberste Siegerpodest geschafft hat. Deutschland hat es immerhin mehrfach auf den zweiten Platz geschafft. Ein respektables Ergebnis, wenn man bedenkt, dass insgesamt zwölf Länder am “Baltic Way” teilnehmen können. Außer den oben bereits erwähnten elf “Stamm”-Ländern hat das jeweilige Veranstalterland das Recht, ein Gastland einzuladen. Das kann frei gewählt werden und muss weder etwas mit dem Baltikum noch mit der Ostsee zu tun haben. Die drei Länder, denen diese Ehre bislang zuteilgeworden ist, waren Israel, Weißrussland und Belgien. Das deutsche Team wird übrigens von zwei Professoren aus Hamburg und Rostock organisiert.

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